Hamburg: 20.12.2018

Autor: Lisa Lange

Weihnachten, das ist …

 

… für den einen so schön stimmungsvoll und gemütlich, für den anderen das angespannte Warten auf den Weihnachtsmann – manch einer feiert es gar nicht, ein anderer gleich zweimal. Was mögen wir an Weihnachten und was bedeutet es uns? Das beantworten vier Kinder, die mit ihren Familien in Hamburg leben, und Wurzeln in verschiedenen Ländern haben: Iran, Ägypten, Russland und Syrien.

„Mir gefällt das Weihnachtsfeeling“ (Darya, 14 Jahre alt)

Klar feiern wir Weihnachten. Wir machen uns hübsch, decken den Tisch festlich, essen Ente oder etwas anderes. Wir haben an Heiligabend auch schon Thaifood gekocht, weil wir so Lust drauf hatten. Oder Persisch: eingelegtes Hähnchen mit Safranreis zum Beispiel.

Auf jeden Fall stellen wir einen Weihnachtsbaum auf. Letztes Jahr haben wir den selber gefällt. Meine kleinen Brüder wollen immer möglichst viele bunte Kugeln dranhängen, das gefällt mir nicht. Ich würde am liebsten alles in einem Ton haben, Türkis!

Wir gehen normalerweise nicht in die Kirche, wenn dann nur zum Spaß, nicht, weil wir daran glauben, dass Jesus am 24. Dezember geboren wurde. Wir sind nicht religiös, wie die meisten Iraner. Aber das Krippenspiel ist ja ganz süß.

Im Iran feiert man im März das Neujahrsfest, Nouruz. Meine Familie natürlich auch. Ich bin Perserin und Deutsche und freue mich auf beide Feste gleich. Da gibt es auch so eine Art Weihnachtsmann, den Hadschi Firuz. Der ist auch rot angezogen und bringt Geschenke.

An Weihnachten mag ich vor allem die Deko, die Lichter, den Adventskalender, dass man gemeinsam isst und Geschenke auspackt. Auf meiner Wunschliste stehen Kopfhörer, ein neues Glätteisen, eine Jacke, ein Schal und schwarze UGGs, solche Fellstiefel. Die Weihnachtsmusik im Radio finde ich auch toll: Last Christmas, Driving home for Christmas, All I want von Mariah Carey. Es ist das ganze Weihnachtsfeeling, das mir gefällt! Weihnachten ist so eine gemütliche Zeit.

Karas Nasim, 7 Jahre alt – Foto: Gesche Jäger
Karas Nasim, 7 Jahre alt – Foto: Gesche Jäger

„Ich feiere zweimal Weihnachten“

Ich feiere zweimal Weihnachten: am 24. Dezember bei uns zuhause und am 6. Januar hier in der koptischen Kirche. Wir kommen aus Ägypten, aber ich bin hier geboren. Ich bin Messdiener, deswegen trage ich diese weiße Tunika. Sie steht für Frieden und ein reines Herz. Nach der Messe gehe ich zur Sonntagsschule und lerne die Melodien.

Der Weihnachtsmann kommt am 6. Januar hierher in die Kirche. Nach dem Beten stellen wir Kinder uns bei ihm an und bekommen etwas geschenkt: eine Sache, manchmal vier, manchmal drei. Die Geschenke finde ich gut. Ich wünsche mir nichts Bestimmtes. Letztes Jahr habe ich einen Drehwürfel bekommen, ein Schwein-Kuscheltier und Schokolade.

Die großen Geschenke gibt es zuhause am 24. Dezember. Wir haben einen Weihnachtsbaum. Der Weihnachtsmann kommt und bringt die Geschenke. Wir essen dann kein Fleisch, sondern Fisch und Gemüse, weil wir fasten. Am 6. Januar gehen wir nach der Kirche mit anderen Familien nach Hause und essen ganz viel und ganz lange. Reis, Nudeln, grüne Suppe, Ente, Hähnchen, Rind, alles. Ich mag am liebsten Eis.

Fatema Alshaker, 15 Jahre alt – Foto: Gesche Jäger
Fatema Alshaker, 15 Jahre alt – Foto: Gesche Jäger

„Nur meine kleinsten Geschwister bekommen Geschenke“


Ich war neun, als ich aus Syrien nach Deutschland gekommen bin, wir sind vor dem Krieg geflüchtet, mit dem Flugzeug. Dort hatte ich eine Freundin, die Christin war, aber damals wusste ich noch nicht, was das ist, nur, dass sie Weihnachten feiert und dass es so etwas gibt wie den Weihnachtsmann. Ich bin Moslem. Wir feiern Weihnachten nicht so mit Adventskalender, Tannenbaum, Kerzen. Aber der Tag ist auch wichtig für uns, weil Jesus auch ein Prophet in unserer Religion ist. Weihnachten fließt also nicht einfach vorbei, auch wenn wir es einfacher gestalten.

Ich bekomme keine Geschenke und die meisten meiner Geschwister auch nicht. Wir sind insgesamt acht Geschwister, und nur die zwei kleinsten sind hier in Deutschland geboren und bekommen am 24. ein Spielzeug von meinen Eltern. Sie sollen mit dieser deutschen Tradition aufwachsen. Was ich am liebsten mag an Weihnachten, das ist Lebkuchen. Ich liebe Schokoladenlebkuchen.

Merkwürdig finde ich, dass Weihnachten in Deutschland scheinbar gar nicht mehr religiös ist. Ich habe das Gefühl, dass es vielen nicht wichtig ist, wie Jesus geboren wurde und was er getan hat. Ich habe auch Schulfreunde, die Atheisten sind. Das finde ich interessant. In meiner Religion gibt es religiöse Feste, die uns sehr viel bedeuten, vor allem das Zuckerfest. Auch das Freitagsgebet ist mir wichtig. Ich weiß, dass ich eine andere Religion habe, und deswegen fühle ich mich an Weihnachten auch nicht ausgeschlossen. Ich mag es, wenn wir in der Schule Weihnachtslieder singen, und der Winter wäre trist ohne die vielen Lichterketten.

Lorenz Pourkian-Yagovtseva, 8 Jahre alt – Foto: Gesche Jäger

„Der Weihnachtsmann klingelt“

Wir kaufen uns eine Tanne und stellen etwas Gebasteltes darunter, etwas, was ich in der Schule gebastelt habe. Ich darf länger wachbleiben, weil wir auf den Weihnachtsmann warten. Am nächsten Morgen, dem 25., kommt der Weihnachtsmann mit seinem Sack. Er klingelt oder kommt einfach so rein. Einer aus unserer Familie fehlt immer, wenn der Weihnachtsmann kommt. Letztes Jahr hat er mir ein Auto gebracht, das ich mit einer Batterie gefüllt habe. Es ließ sich aber nicht lenken, also habe ich es mir als Modellauto hingestellt. Dieses Jahr wünsche ich mir ein eigenes Zimmer. Das wünsche ich mir am meisten.

In Russland, wo meine Mama herkommt, kriegen alle an Silvester Geschenke. Und der Weihnachtsmann ist auch nicht allein. Er hat einen Engel dabei. Er sieht ganz anders aus, er hat einen blauen Mantel.

Weihnachten ist für mich auch Musik. Ich spiele besondere Lieder auf dem Akkordeon. A, a, a, der Winter, der ist da, Jingle Bells, Guter, braver Nikolaus und Schneeflöckchen, Weißröckchen. Am meisten gefällt mir, dass alle fröhlich sind.