Hamburg: 30.10.2019

Autor: Alexander von Tomberg

Heilig’s Maschinle: Da staunt der Schwabe

Den Gedanken der Sharing Economy hat „V-INDUSTRY“-Gründer Thorsten Eller auf die Industrie übertragen: Das schwäbische Start-up vernetzt Maschinen, die nicht ausgelastet sind. Industriebetriebe können so Kapazitäten mieten – das spart Anschaffungskosten und Produktionszeit.

„Für den Schwaben sind seine Maschinen wie treue Mitarbeiter. In seinem Unternehmen betrachtet er sie als „gnagelt voll“, also im absoluten Dauereinsatz. Das ist ein Trugschluss, weil er meistens nur maximal 60 Prozent ihrer Kapazitäten nutzt – und das lässt sich nachweisen. Wir haben uns überlegt, wie wir das ändern können. Wie lassen sich Maschinen vernetzen, die nicht ausgelastet sind. Wie können andere Betriebe Kapazitäten teilen, so dass sie nicht in komplett neue Maschinen investieren müssen?

Die Idee zum Teilen von Maschinen kam mir während meiner angefangenen Promotion. Als Volkswirtschaftler trieb mich die Frage um: Wie könnte man die Möglichkeiten der Sharing Economy in einen rechtsgültigen Rahmen setzen und somit für die Wirtschaft attraktiv machen? Im vergangenen Jahr haben wir unser Start-up „V-INDUSTRY“ gegründet, eine Hard- und Softwarelösung, die Maschinen vernetzt, die im Betrieb stillstehen oder nicht voll ausgelastet sind.

V-Industry Gründer Thorsten Eller, Olaf Krause und Oliver Mauroner

Das spart Zeit und Mehrkosten

Wenn einem Unternehmer zur Herstellung seines Produktes ein Bauteil fehlt und dafür eine bestimmte Maschine benötigt wird, kann er sich auf unserer Website anmelden und die Suche starten: Welche Technologie ist gefragt? Fräsen, Schneiden, Drehen? Und wann soll es losgehen? Ein Algorithmus vermittelt die passende Maschine, die für die Fertigstellung geeignet ist. Kapazitäten und das Knowhow werden mit einbezogen – das Paket soll dem Suchenden schnell einen Überblick verschaffen. So können auch Aufträge sichergestellt werden, wenn zum Beispiel Maschinen ausfallen oder gewartet werden müssen. Das spart Zeit und Mehrkosten. Ein weiterer Vorteil dieser Kollaboration: Die geteilten Maschinen werden mehr ausgelastet und das aufwendige Verteilen von Angeboten entfällt und es ergeben sich neue Kunden ohne Akquise. Ob Großkonzern oder ein kleines Unternehmen – diese Firmen haben die Möglichkeit, auf einem Marktplatz zusammen unter gleichen Bedingungen aufzutreten. Das ist für mich Demokratisierung.

Natürlich werden wir immer wieder auf Datensicherheit angesprochen: Es ist uns wichtig, dass Betriebsgeheimnisse und das Wissen der Unternehmen gesichert sind – Vertrauen ist die Währung in der Sharing Economy. Das bedeutet, dass Produktdaten nur denjenigen Mitspielern zugänglich gemacht werden, die potenziell auch die Anforderung für eine Fertigung erfüllen. Ein entscheidender Teil unserer Vernetzung ist dabei eine Box, die an den Maschinen installiert wird und uns pausenlos per Mobilfunk über die Auslastung die Betreiber informiert. Diese Vorstellung ist für viele Firmeninhaber sehr gewöhnungsbedürftig.

V-Vox: misst die Maschinenlaufzeiten
V-Dashboard: identifiziert Produktionsfreiräume

Zurzeit vernetzen wir mittelständische Unternehmen im Großraum Stuttgart. Sie von den Vorzügen des Sharing-Gedankens zu begeistern, ist, offen gesagt, nicht einfach. Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten, viel reisen, Workshops organisieren, Unternehmensbesuche akribisch vorbereiten. Wir investieren viel in unsere Idee.

Die absolute Aufmerksamkeit unserer Zuhörer genießen wir in jedem Fall dann, wenn wir von Zahlen sprechen. Zum Beispiel der Auslastung der von „V-INDUSTRY“ gemieteten Maschinen: diese kann mit unserer Methode auf bis zu 90 Prozent steigen. Mehr ist aus Wartungsgründen nicht möglich. Wenn wir das in unseren Workshops erwähnen, staunt der Schwabe und hört genau zu, was die Digitalisierung und das Teilen ermöglichen.

Als Sharing-Plattform können wir flexibel auf Marktveränderungen eingehen. Wenn zum Beispiel die großen Automobilhersteller in Baden-Württemberg stärker vom Verbrennungsmotor auf Elektromobilität umschwenken, können die Zulieferer schneller darauf reagieren. Wer die gewissenhaften schwäbischen Unternehmer für sich gewinnt, hat Erfolg. Das ist uns klar – von diesem Markt aus lässt sich dann noch weit mehr bewegen. Besonders im Maschinenbau wird der Variationsreichtum zur Normalität.“

Über V-Industry:
Wirtschaftswissenschaftler Thorsten Eller, Informatiker Olaf Krause und Wirtschaftsinformatiker Oliver Mauroner haben 2018 „V-INDUSTRY“ mit Sitz im schwäbischen Ostfildern gegründet. Das Start-up hat sich den Sharing-Gedanken für die Industrie auf die Fahne geschrieben. Mehr dazu auf v-industry.com