Hamburg: 26.09.2019

Autor: Barbara Domschky

„Die Zukunft von Shopping ist Leasing“

 

Lieber Fast Fashion folgen und die It-Pieces der aktuellen Saison kaufen oder ewig nach wirklich modischer, nachhaltiger Mode suchen? Der Fashion-Leasing-Service Unown macht es möglich, dass wir weniger besitzen und trotzdem Abwechslung im Kleiderschrank haben. Co-Gründerin Tina Spießmacher erzählt, wie alles anfing.

„Fast jede(r) von uns kennt das: Der Kleiderschrank quillt über, aber vieles davon tragen wir kaum. Die verrückten, teuren Silberboots aus dem letzten Jahr sind zwar cool, aber nach ein paar Mal Tragen stehen sie nur noch im Schrank. Wir würden gerne mehr nachhaltige Mode kaufen, aber wo findet man wirklich stylische, hochwertige Labels? Viele Menschen, uns eingeschlossen, sind an einem bewussteren Lebensstil interessiert, kaufen Bio, ernähren sich vegetarisch, aber bei der Mode hört es oft auf – warum ist das so? Und wie lässt sich das Problem lösen?

Slow Fashion: Nachhaltige Kleidung, die ein Statement setzt und lange lebt
Mit all diesen Fragen beschäftigen wir uns schon länger. Anfang des Jahres haben wir uns den Markt näher angeschaut und festgestellt: Mode macht den meisten Spaß und ist sehr impulsgetrieben. Kaufen ist für viele ein emotionaler Akt. Und gerade da hakt es noch im Bereich der nachhaltigen Mode. Da hat sich zwar in den letzten Jahren viel getan, aber dieses Segment ist immer noch nicht so zugänglich wie Fast Fashion, ihm haftet immer noch ein bisschen das Öko-Image an – das wollen wir ändern.

Die beiden Gründerinnen: Linda Ahrens und Tina Spießmacher

„Stilbewusste Frauen, die öfter etwas Neues ausprobieren möchten“
Die Idee entspricht auch unseren eigenen Bedürfnissen und Überlegungen. Ich selbst habe letztes Jahr meine Kleidung auf 50 Teile reduziert und rotiere viel. Ich liebe die Freiheit, die ich damit gewonnen habe, wünsche mir aber trotzdem manchmal mehr Vielfalt im Kleiderschrank. Linda hingegen näht und repariert viel, ist immer kreativ und darauf bedacht, die Lebenszeit eines Kleidungsstücks zu verlängern. Das alles verbindet sich in unserem Leasing-Service. Unsere Idee zielt vor allem auf stilbewusste Frauen ab, die öfter Lust auf Neues haben und viel ausprobieren möchten. Die vielleicht im Business-Umfeld arbeiten und einen perfekt sitzenden, knalligen Blazer suchen. Ein Statement-Piece, das genau für eine bestimmte Zeit seinen Zweck erfüllt. Gerade im Premiumsegment ist die „cost-per-wear“ der Kleidungsstücke ziemlich hoch, da man die meisten Sachen oft nur selten trägt. Das macht unser Leasing-Modell besonders attraktiv: Ein paar Wochen oder Monate Spaß haben und dann ist das Stück wieder weg – ohne schlechtes Gewissen für Umwelt oder das eigene Portemonnaie.

„Sobald die Nutzer es ausprobieren, macht ihnen Leasen richtig Spaß“
Vor dem offiziellen Launch von UNOWN haben wir einen kleinen Beta-Test durchgeführt. Eine Woche lang konnten Kundinnen auf unserer Plattform ein Kleidungsstück leasen, dazu gab es Werbung auf Instagram. Schon in der ersten Woche war fast alles weg. Jetzt kommen die ersten Teile zurück und wir fragen bei den Kundinnen nach, wie es sich anfühlt, wenn man die Kleidung für einen Monat anhatte und dann wieder abgibt.

Bisher gibt es nur positive Rückmeldungen. Und viele bestätigen das, worauf unsere Idee gründet: Man muss nicht alles kaufen, um Spaß an Mode zu haben. Eine Kundin wollte den Rock anfangs nicht mehr zurückgeben, als er dann aber weg war, war das auch ok für sie. Denn sie konnte sich ja wieder etwas Neues aussuchen. Unsere bisherige Erfahrung zeigt: Sobald die Nutzer es ausprobieren, macht ihnen das Leasen richtig Spaß. Ein paar haben sich aber auch in ihr geleastes Stück verliebt und es gekauft, weil sie es als perfekte Ergänzung zu ihrer Garderobe gesehen haben. Für die Zukunft gehen wir davon aus, dass rund 15 bis 20 Prozent ihre Kleidungsstücke nach Ende der Leasing-Zeit behalten.

Man muss nicht alles kaufen, um Spaß an Mode zu haben.

Die Zukunft der nachhaltigen Mode
Momentan arbeiten wir an der Entwicklung einer sogenannten „Unique Fashion ID“, die in die Kleidung integriert wird. Wie diese ID genau aussehen soll, das testen wir noch. Wir wollen damit erreichen, dass wir Daten wie Details zur Produktion, des Materials und der Langlebigkeit jederzeit kennen und damit einen besseren Service entwickeln können. Diese Daten stellen wir auch unseren Partnerlabels zur Verfügung, die diese Information in ihre Entwürfe und Kollektionen einfließen lassen. Am Ende können wir mit der ID auch garantieren, dass der Recyclingprozess nicht unterbrochen wird.

Auf dem deutschen Markt gibt es noch ein paar andere, ähnliche Start-ups wie Stay Awhile oder Rent. In den USA oder China ist das Miet-Modell hingegen schon stärker entwickelt. Der Unterschied ist jedoch, dass sich die großen Player dort im Gegensatz zu uns nicht auf nachhaltige Mode fokussieren. Gerade hier in Deutschland ist das Thema total in, das Kaufverhalten hat sich in den letzten Jahren sehr verändert und es gibt immer mehr nachhaltige deutsche Marken wie Armedangels beispielsweise, die momentan extrem wachsen. Dennoch kann man sagen, dass der deutsche Markt gerade erst langsam anfängt zu brodeln – wir stehen also noch ziemlich am Anfang von etwas Großem.

Gerade hier in Deutschland ist das Thema total in

Über UNOWN:
Eigentlich kommen Tina Spießmacher und Linda Ahrens aus der Digitalbranche. Im Sommer 2019 gründeten sie das Fashion-Leasing-Start Up UNOWN, das modische nachhaltige Mode verleiht, damit Ressourcen einspart und so den ökologischen Fußabdruck der Modeindustrie reduziert.

Das Prinzip: Frau sucht sich so viele Teile aus, wie sie mag. Der Preis richtet sich nach dem Original-Kaufpreis und der Mietdauer. Ab Oktober gibt es außerdem ein Fashion-Abo über drei Teile pro Monat für einen Festpreis von 69 Euro. In beiden Fällen kann das Kleidungsstück am Ende für einen angemessenen Preis gekauft werden. www.unown-fashion.com