Hamburg: 29.05.2019

Autor: Andin Tegen

Shrimps vom Bauernhof

Anfangs glaubte keiner an Sven Damms Vision einer eigenen Garnelenzucht. Mittlerweile hat der Agrarwissenschaftler die erste Garnelenfarm in Hessen gegründet – mit Hilfe aus Bremen.

„Garnelenzüchten ist weit entfernt von dem was ich bisher gemacht habe. Ich bin Agrarwissenschaftler und nach dem Studium erstmal in den landwirtschaftlichen Betrieb meiner Eltern mit eingestiegen. Wir betrieben Ackerbau und Viehzucht, bis der Pachtvertrag für einen unserer Schweineställe auslief. Damals hatten wir immer wieder beobachtet, wie Dorfbewohner bei Stallbauvorhaben anderer Landwirte protestiert hatten, und so überlegten wir: Wollen wir so weitermachen wie bisher oder finden wir eine Nische mit Potenzial und Chancen?

Die erste Garnelenfarm in Hessen
Das Unternehmerpaar

Irgendwo hatte ich gelesen, dass die Nachfrage nach Krustentieren steigt. Bis zu 55.000 Tonnen Garnelen werden pro Jahr in Deutschland verzehrt. Die meisten Tiere kommen aus Südostasien, Umweltschützer protestieren seit Langem gegen die Art der Aufzucht für die auch Mangrovenwälder abgeholzt werden. Die Garnelen bekommen zudem Antibiotika und andere Medikamente, um Krankheiten wie das tödliche White Spot Virus zu vermeiden.

In Deutschland gäbe es diese Krankheiten nicht. Hier müssten auch keine Wälder abgeholzt werden. Warmwassergarnelen überleben bei 28 Grad. Zum Beheizen der Anlage stünde uns dafür Wärme einer benachbarten Biogasanlage zur Verfügung. Könnte man sie mit einer passenden Aquakultur dann nicht bei uns züchten? In Deutschland gibt es drei solcher Garnelenaufzucht-Anlagen – bei uns in Hessen noch keine. Es wäre also eine Marktlücke.

Ich musste mir das Fachwissen über Aquakultur erst anlesen und vieles im Netz recherchieren.

All das war vermutlich nur möglich, weil wir bei der anspruchsvollen technischen Umsetzung der Anlage mit einer wirklich guten Firma zusammenzuarbeiten wollten: Dem Ingenieurbüro Polyplan aus Bremen. Das plant sonst überwiegend Freibäder, setzte aber mit einer adäquaten Technologie eine Anlage um, mit der nur wenig Wasser ausgetauscht werden muss.

Seit Ende 2018 ist die Garnelenzucht einsatzbereit. Im Eingangsbereich befinden sich auf zwei Etagen Lager, Hofladen, Labor und Büro. Die Garnelen werden in riesigen Becken gezüchtet— die Wärmeenergie dafür kommt von einer Biogasanlage nebenan, an der auch meine Familie beteiligt ist. In der Produktionshalle stehen neun Aufzuchtbecken und 14 kleinere Vorzucht- und Aufbereitungsbecken. Das Gesamtwasservolumen der Anlage beträgt 1000 Kubikmeter. Von einem Steg in der Halle aus lassen sich die Becken betrachten.

In Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Polyplan aus Bremen entstand die Anlage.
Seit Ende 2018 ist die Garnelenzucht einsatzbereit.
6 Monate bis zu einem Verkaufsgewicht von 20 bis 30 Gramm pro Stück

Wir ließen uns 80.000 Garnelenlarven aus Florida liefern. Die Tiere sind zuerst winzig klein und im Reagenzglas kaum sichtbar. Anfangs misst die Larve nur wenige Millimeter. Penibel achte ich nun unter anderem täglich auf den Salzgehalt des Wassers und die richtige Temperatur. In Zukunft wollen wir für diese Kontrollen ein eigenes Labor einrichten. Die Garnelen brauchen 6 Monate bis zu einem Verkaufsgewicht von 20 bis 30 Gramm pro Stück, ehe wir sie verkaufen können.

Wir müssen auch noch viel Entwicklungsarbeit leisten, bis alles wirklich rund läuf.

Der Nachhaltigkeitsgedanke wird bei uns großgeschrieben, die Shrimps haben eine sehr hohe Qualität. Das macht die Ware für den Verbraucher teurer als die Importware aus Asien, aber eben auch antibiotikafrei und frisch im Vergleich zur Importware. In Zukunft wollen wir monatlich über eine Tonne Garnelen verkaufen.

Scheitern ist für mich ausgeschlossen, denn die Anlagentechnik ist nur auf Garnelen ausgelegt. Einen Plan-B gibt es nicht. Wir müssen auch noch viel Entwicklungsarbeit leisten, bis alles wirklich rund läuft aber natürlich glauben wir fest an den Erfolg unserer Zucht.