Hamburg: 19.12.2019

Autor: Alexander von Tomberg

Ein fairer Deal
Kunst aus Nichts oder die Evolution des Recyclings

Neues im Alten entdecken: Der Onlineshop „Upcycling Deluxe“ bietet hochwertige Designobjekte aus Entwicklungsländern, die aus Reststoffen und alten Materialen gefertigt werden. Für Geschäftsführerin Katrin Meier-Mwangai ist das nicht nur ein modisches Statement – sondern eine Lebenseinstellung.

„Ich habe viele Jahre als Wirtschaftsinformatikerin in großen Konzernen gearbeitet, als ich dachte, dass sich etwas ändern muss in meinem Leben. Über meinen Mann, einen gebürtigen Kenianer, kam ich auf die Idee in Afrika etwas Nützliches zu tun und bewarb mich bei Manager ohne Grenzen. Ein paar Jahre lang arbeitete ich im Bereich des Wirtschaftsaufbaus in Kenia und Uganda. Dort half ich Unternehmern dabei ihre Geschäfte langfristig, nachhaltig und wirtschaftlich zu betreiben.

Vielleicht wollte ich damit etwas zurückgeben, das Afrika durch den Kolonialismus verloren hat. Es sind immer noch unterentwickelte Wirtschaftssysteme, die sich nur langsam aufbauen. Hier ist noch viel zu tun und ich habe viel gesehen und gelernt in dieser Zeit. Die Händler zeichnen sich durch eine unheimliche Kreativität, handwerkliches Geschick und ein starkes Durchhaltevermögen aus. Sie hauchen ausrangierten Alltagsgegenständen neues Leben ein oder machen aus Müll kleine Kunstwerke: Aus alten Ölfässern werden Couchtische, aus alten Plastikflaschen Umhängetaschen. Das alles hat mich tief beeindruckt.

Mann sortiert Taschen
Produktion von Figuren aus Flip-Flops
Ausrangierte Flip-Flops werden für die Produktion vorbereitet

Entwicklungshilfe in Afrika ist hart

Ich fragte mich, wie ich den Menschen helfen kann, ihr Business weiter auszubauen, sodass sie mit ihrem Geschäftsmodell ihre Familien ernähren und Mitarbeiter einstellen können. Entwicklungshilfe in Afrika ist hart, weil hier kaum jemand über finanzielle Ressourcen verfügt – auch Nichtregierungsorganisationen sind in diesem Punkt überfordert. Ließen sich all die wertvollen künstlerischen Arbeiten nicht im Ausland vermarkten – dort, wo es genügend Kaufkraft dafür gibt?

Als ich wieder in Deutschland war, wusste ich zunächst noch nicht genau, wie ich meine Idee umsetzen soll. Ich stieß eher zufällig auf die Berliner Internet-Firma „Upcycling Deluxe“, die Designobjekte aus dritten Ländern im Online-Shop anbietet. Die Materialien werden im Gegensatz zum Recycling durch eine hochwertige Verarbeitung aufgewertet und sind daher neu hergestellten Produkten qualitativ mindestens ebenbürtig. Doch die Betreiber wollten sich mit ihren Produkten in eine andere Richtung entwickeln und waren dabei, das Unternehmen zu verkaufen. Das war meine Chance – ich griff zu.

Durch die Wiederverwertung entsteht ein nachhaltiger Kreislauf

Durch den Kontakt zu den vielen afrikanischen Händlern hatte ich Zugang zu einer so großen Bandbreite an Produkten, dass ich den Mut fasste, „Upcycling Deluxe“ auf meine Art weiter zu führen. Mittlerweile sind wir ein kleines Team und bieten 1.200 Produkte von 50 Herstellern an – darunter das kenianische Unternehmen „Ocean Sole“, das aus alten Flip-Flops bunte Tierfiguren macht.

Aus alten Flip-Flops entstehen Kunstfiguren
Aus einer recycelten Dose wird ein Tisch
Aus alten Säcken entstehen neue Taschen

Das Gummi der Sohlen ist in Kenia so etwas wie ein unendlicher Rohstoff, weil viele Menschen dort meistens nur Flip-Flops besitzen, die sie tragen und dann wegwerfen. Man findet sie im Meer, am Straßenrand, im Busch. Durch die Wiederverwertung entsteht ein nachhaltiger Kreislauf: Nicht nur die Umwelt wird dabei gesäubert – bis zu 15 Prozent des Gesamtgewinns werden unter anderem für örtliche Bildungsprojekte gespendet. Die Mitarbeiter bekommen Bonuszahlungen und zinsfreie Kredite für die Schulbildung ihrer Kinder.

Der Zoo Hannover hat bei uns Gummi-Tiere bestellt

Es macht mich stolz, dass wir mit unserem Shop die Menschen auf diese Weise unterstützen können. Sogar der Zoo Hannover hat bei uns die farbenfrohen Gummi-Tiere bestellt und Handtaschen, die aus ehemaligen Zementsäcken aus Kambodscha hergestellt werden. Ich denke, die Käufer interessieren sich nicht nur für die Objekte, sondern auch für die Geschichten dahinter. Auf unserer Homepage zeigen wir die Menschen, die hinter einem Produkt stehen. So haben die Kunden das Gefühl, etwas Schönes und Nützliches erworben – aber vor allem jemand anderen geholfen zu haben.“

Über Upcycling Deluxe:
Die Wirtschaftsinformatikerin Katrin Meier-Mwangai ist Geschäftsführerin des Onlineshops „Upcycling Deluxe“ mit Sitz im bayerischen Wechingen. Der Versandhandel hat sich auf Produkte aus Entwicklungsländern spezialisiert, die auf kreative Weise alte Materialien wiederverwerten.
Mehr dazu unter: www.upcycling-deluxe.com
http://www.greentree.at/