Hamburg: 25.07.2019

Autor: Andin Tegen

Bienenvölker: ein hübsches Sümmchen

 

Unser Ökosystem braucht Bienen, doch Pestizide, Monokulturen und Parasiten machen ihnen das Leben schwer. Wie kann die Imkerei so unterstützt werden, dass sich das ändert? Das Start-up Hektar Nektar unterstützt die Menschen hinter den Bienen. Gründer Martin Poreda erzählt, wie er und sein Bruder dazu Imker und Unternehmer zusammenbringen.

„Überall liest man vom Bienensterben, aber niemand weiß, was man dagegen tun kann. Wir setzen mit Hektar Nektar darauf, Imker zu unterstützen, weil sie die Multiplikatoren sind, wenn es um mehr Bienen auf der Welt geht. Bienen allein können sich nicht vermehren, daher geben wir ausgebildeten Imkern Bienenvölker und ein Starterset. So können sie aus einem Bienenvolk das zweite dritte, vierte und fünfte machen.

Der Start in die Imkerei ist mit hohen Anfangsinvestitionen verbunden und auch die laufende Betreuung verschlingt mehr Geld als man mit Bienenprodukten erlösen kann. Die Erstanschaffungskosten liegen bei rund 1500 Euro, ein Bienenvolk allein kostet etwa 200 Euro. Imkerei und Bienenzucht sind zeitraubende und kostenintensive Tätigkeiten, die jahrelange Erfahrung erfordern. Viele Rückschläge sind mit ihr verbunden, darunter Dürre, Dauerregen, Parasiten, Vandalismus, abnehmende Nahrungsvielfalt für unsere Bienen und Bienenstock-Diebstahl – ja den gibt es wirklich!

Imker brauchen Ressourcen
Jeder einzelne Imker steht vor starken Herausforderungen: der Beschaffung gesunder Bienenvölker, der Suche nach geeigneten Plätzen für die Bienenstöcke, der laufenden Instandhaltung und Absicherung der Bienenstöcke und der Vermarktung seiner Produkte. Das ist sehr schwierig. Wir möchten die Imkerei wieder leistbar machen. Deshalb haben mein Bruder Mark und ich die Online-Plattform Hektar Nektar gegründet.

Hektar-Nektar-Gründer Martin und Mark Poreda
Hektar-Nektar-Gründer Martin und Mark Poreda

Unternehmen geben Starthilfe
Um den neu ausgebildeten Imkern den Start zu erleichtern, sind wir auf die Mithilfe von Unternehmen und Haushalten angewiesen. Sie sollen die Kosten für die Imkersets tragen. Im Gegenzug dazu können Firmen auf Hektar Nektar werben und ihr Engagement im Nachhaltigkeitsbericht festhalten und ihren MitarbeiterInnen und KundInnen darüber berichten.

Unser großes Ziel ist es, dass wir bis zum Jahr 2028 zehn Prozent mehr Bienen auf der Welt haben. Für unser PROJEKT 2028 haben wir den weltweit ersten Online-Marktplatz für Bienenhandel gegründet: Hier kann man nach Bienenrasse sortieren, nach Rähmchenformaten für die Waben, nach Zustellung oder Abholung – das gab so noch nicht. Die Imkerei ist eher unterdigitalisiert.

Anfangs mussten wir uns viele Fragen beantworten: Mit welchem Logistikunternehmen wollen wir die Bienen transportieren, in welcher Verpackung? Die etwa 5000 Bienen pro Lieferung brauchen Platz und Luft, damit sie nicht überhitzen. Jetzt haben wir ein Logistikunternehmen gefunden, das normalerweise für Organtransporte zuständig ist. Dabei geht es ja auch um Geschwindigkeit und Kühlketten. Überspitzt gesagt wird nun mit einem pochenden Herzen auch noch ein Bienenvolk verschickt. Auf diese Weise kann über Nacht in unter 18 Stunden ein Volk von Wien nach Hamburg gebracht werden. Das ist allerdings nicht das Ziel: Wir unterstützen den regionalen Bienenmarkt, indem wir unsere KäuferInnen dazu motivieren, in ihren Regionen nach den passenden VerkäuferInnen zu suchen.

Mit jedem neuen Tag kommen wir auf andere Ideen, was man noch Gutes tun kann für die Welt der Imkerei: eine Bestäubungsbörse, Gebrauchtmarkt, Standplatzvermietung. Diese Dinge beschäftigen Imkerinnen und Imker und hier hat Hektar Nektar noch einiges zu tun.

Digitalisierung zeigt Erfolg
Seit der Unternehmensgründung vor zwei Jahren hat sich einiges getan: Schon über 110 Imker und Imkerinnen werden von über 30 deutschen und österreichischen Unternehmen unterstützt, darunter NTS Netzwerk Telekom Service, kununu, Weleda, agaSaat, das Staatliche Hofbräuhaus München und Vervival.

Imker Christian Ast unterstützt von agaSAAT
Imker Gerald Amtmann unterstützt von NTS

Letztendlich profitieren alle davon, in den Erhalt und die Verbreitung von Bienenvölkern zu investieren: Die Menschen, die Bienen, die Umwelt. Uns ist es enorm wichtig, einen messbaren, nachhaltigen Bienenschutz zu ermöglichen. Das erreichen wir jeden Tag ein bisschen mehr. Durch unser Projekt gibt es schon über fünf Millionen mehr Bienen auf der Welt.“


Zum Projekt:
Hektar Nektar ist ein Wiener Start-up mit einer Plattform für Bienenschutz-Initiativen zum Mitmachen für alle – von der Wirtschaft bis zu privaten Haushalten. Eine Initiative ist Projekt 2028: Unternehmen finanzieren Bienenvölker und unterstützen damit Imker. Die Einbindung von privaten Haushalten in Projekt 2028 ist der nächste Schritt. Zudem bietet die Plattform einen digitalen Bienen-Marktplatz für einen fairen und sicheren Handel mit Bienen. Hektar Nektar wurde von Martin und Mark Poreda im Oktober 2017 gegründet. Die Brüder gründeten 2007 bereits die Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu und verkauften sie 2012 erfolgreich an Xing. Informationen unter www.hektarnektar.com