Hamburg: 31.01.2019

Autor: Andin Tegen

Wie funktioniert die DNA der Welt?

 

Die Wirtschaft sucht händeringend nach IT-Nachwuchs, doch digitale Bildung gehört im Schulalltag immer noch zum Randgebiet. Initiativen wie die Hamburger Hacker School reagieren darauf und bringen Kindern und Jugendlichen auf spielerische Weise das Programmieren bei.

Die Kurse der Hacker School richten sich an Jugendliche im Alter von 11 bis 18 Jahren – Foto: Hacker School
VR Entwickler – Foto: Hacker School

Wie erwecke ich einen Roboter zum Leben? Wie schreibe ich eine App? Wie baue ich mit HTML eine Website auf oder entwickle ein Spiel wie Minecraft? Diese und ähnliche Fragen stellen sich Kinder und Jugendliche in den Kursen der Hamburger Hacker School. Täglich nutzen sie ihr Smartphone und das Internet, aber wie diese Geräte im Innersten funktionieren – das wissen die wenigsten.

Informatik sollte für jedes Kind ein Pflichtfach sein, davon sind die Macher der Hacker School überzeugt. Und da Schulen ihrer Meinung nach nicht genug in digitale Bildung investieren, haben sie sich entschlossen, genau das zu fördern. In den Wochenendkursen der Hacker School zeigen Programmierer und Entwickler den 11- bis 18-Jährigen ehrenamtlich, was sie über Raspberry Pi, Scratch und Java wissen müssen.

Dazu brauchen sie keine guten Schulnoten in Informatik, sondern eher Kreativität und Forschergeist. Die Macher der Hacker School sind sich sicher: Digitale Kompetenzen werden in der Arbeitswelt von Morgen zu den Einstellungskriterien gehören. Doch die Realität hinkt den Anforderungen hinterher: Nur wenige progressive Schulen fördern den Umgang mit, vor allem jene Kinder kommen damit in Berührung, deren Eltern sie darin fördern.



„Wir müssen uns bemühen, alle zu erreichen, denn alle werden in unserer digitalisierten Welt damit umgehen müssen.“

„Wir müssen uns bemühen, alle zu erreichen, denn alle werden in unserer digitalisierten Welt damit umgehen müssen“, sagt Andreas Ollmann. Er hat die Hacker School vor vier Jahren mit zwei Kollegen gegründet. Solange das Coden in den Schulen nicht gelehrt wird, brauche es Initiativen, in denen professionelle Programmierer und Entwickler zeigen, wie toll es sein kann, Spiele zu gestalten oder Java Script anzuwenden. „Es geht um die grundsätzliche Fähigkeit, Prozesse strukturiert zu denken, und um ein Verständnis dafür, wie die DNA der digitalen Welt funktioniert”, sagt Ollmann.

In der Hacker School erproben die Kinder und Jugendlichen spielerisch, ob IT etwas für ihre berufliche Zukunft sein könnte. Die Dozenten – sogenannte Inspirer – treten dabei nicht als Lehrer auf, sie bringen den Kids vielmehr bei, was ihnen selbst Spaß macht. Das Projekt bekommt viel Zuspruch, vor einem Jahr kam sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vorbei, um sich zu informieren.

Mit ihrer Art der Schulung wollen die Macher der Hacker School eine Bildungslücke schließen. Dabei spielt auch Medienkompetenz eine Rolle. Sie wollen ein Bewusstsein schaffen für wahre und falsche Informationen. Kinder und Jugendliche sollten wissen, dass Quellen wie Wikipedia einen guten Überblick verschafften, aber auch fehleranfällig seien. Es gehe nicht darum, am Ende eines Kurses komplizierte Codes schreiben zu können. Kinder und Jugendliche brauchten generell erheblich mehr Wissen über digitale Zusammenhänge, sagt Andreas Ollmann. „Da reicht ein Tablet und ein Beamer im Klassenraum bei Weitem nicht aus“.

Charlotte, 15 Jahre – Foto: Hacker School

Charlotte Jagla, 15, Gymnasiastin aus Elmshorn:

„Nach meinem ersten Kurs in der Hacker School habe ich mit meinem Vater einen Computer gebaut. Ich hatte einfach Lust darauf. In der Hacker School haben mir die Programmierer gezeigt, wie vielfältig die digitale Welt ist und was man alles mit seinen Fähigkeiten machen kann.

Die Inspirer sind nicht wie Oberlehrer aufgetreten, sondern haben uns bei jeder noch so kleinen Frage oder Schwierigkeit geholfen. Sie haben mir gezeigt, aus was sich ein PC zusammensetzt und es war toll zu entdecken, wie man ihn samt Bildschirm und Tastatur in Gang setzen kann. Alles hängt miteinander zusammen.

Wir haben auch gelernt, Spheros zu programmieren, das sind kleine Kugeln, die selbstständig über den Boden fahren. Ein Spiel haben wir damit auch programmiert. Seitdem ich die Hacker-School-Kurse besuche, weiß ich, dass ich Informatik studieren möchte.

Mich interessiert die Verarbeitung von Daten. Ich könnte mir gut vorstellen, medizinische Informatik zu studieren, weil mich beide Themen interessieren. Aber das kann sich noch ändern, mal sehen, in welche Richtung mich der nächste spannende Kurs bringt.“

Welche Funktion hat diese Platine? Diese und andere Fragen werden in der Hacker School beantwortet – Foto: Hacker School
Professionelle Programmierer und Software-Entwicklerleiten leiten als Inspirer die Kurse – Foto: Hacker School
Jeder Kurs behandelt ein bestimmtes Thema - vom eigenen Spiel oder einer kleinen Website bis hin zum Programmieren eines ferngesteuerten Roboters – Foto: Hacker School

Julia Freudenberg, 40, CEO der Hacker School:

„Die Kids sollen Spaß haben und merken, dass Programmieren kein Zauberwerk ist. Sie sollen lernen: “Das kann ich auch” und erkennen, wie kreativ man am Computer sein kann.

Menschen dafür zu begeistern, die Digitalisierung als Chance wahrzunehmen und unsere Kinder auf dem Weg zur digitalen Mündigkeit zu unterstützen, ist eine sehr bereichernde Aufgabe. Mittlerweile haben wir das Konzept der Hacker-School schon in sieben Bundesländern umgesetzt und konnten die Anzahl der Teilnehmer nahezu verzehnfachen. Ein immer größer werdendes Netzwerk, Kontakte zu verschiedenen Unternehmen und zum Bundespräsidialamt spielen dabei eine große Rolle.

Wenn Kinder merken, wie viel Spaß Programmieren machen kann und wie kreativ es ist, ziehen sie es auch für eine potenzielle Berufswahl in Erwägung, das wiederum zahlt sich für die Arbeitswelt von morgen aus. Wenn wir es schaffen, Unternehmen auch zur finanziellen Unterstützung der Hacker School zu gewinnen, stehen uns alle Türen offen, um den Gedanken der Digitalisierung noch schneller, noch weiter voranzutreiben.

Schöne Resultate gibt es bereits: Die ersten unserer früheren Teilnehmer unterstützen uns bereits als Inspirer. Eine unserer weiblichen Inspirer hat nebenbei noch eine tolle Vorbildfunktion: Wenn die Mädchen bei uns smarte Frauen kennenlernen, merken sie, dass man intelligent, selbstbewusst und attraktiv sein kann – obwohl man Informatik studiert. Einen besseren Lerneffekt gibt es nicht.“