Hamburg: 28.11.2019

Autor: Alexander von Tomberg

Stille Nacht, nachhaltige Nacht!

Kein Plastik, energiesparende Elektrogeräte, Bio-Lebensmittel – Nachhaltigkeit ist mehr als nur ein Wort, für Daniela Peredos ist es eine Lebenseinstellung. Die Wienerin führt mit „Greentree“ ein Unternehmen, das lebende Weihnachtsbäume vermietet.

Für Daniela Poredos hatte Weihnachten eine Zeitlang diesen bitteren Beigeschmack. Wie die meisten Menschen freute sie sich auf das Fest – dass dafür aber Millionen von Tannen abgeholzt werden, stimmte sie nachdenklich. Allein in ihrer Heimatstadt Wien werden jährlich etwas mehr als eine halbe Million Christbäume verkauft und nach Weihnachten nahezu 600 Tonnen – also rund 135.000 Stück – verbrannt oder landen im Zoo als Tierfutter. Viele davon enden auf der Straße.

Die 33-Jährige machte das traurig. Und wie das mit starken Emotionen so ist, werden daraus manchmal fruchtbare Ideen. Als ihr eine Freundin vor fünf Jahren die Geschäftsführung eines gemeinsamen Unternehmens anbot, das lebendige Christbäume vermietet, nahm sie mit Freude an. "Greentree", ein Tannenbaumverleih für Nachhaltigkeit und gegen Baumfriedhöfe. „Eine ein Hektar große Fläche Christbäume entzieht ihrer Umwelt in zehn Wachstumsjahren bis zu 143 Tonnen Kohlendioxid und produziert im selben Zeitraum bis zu 105 Tonnen Sauerstoff“, sagt die Kräuterpädagogin. Noch ein Grund mehr die Bäume am Leben zu halten.

Ein lebender Christbaum wie er von Peredos vertrieben wird, ist eine im Topf gewachsene Nordmanntanne, die nicht auf einem Sammelplatz entsorgt werden muss. "Wir verwenden ausschließlich Bäume, die schon im Topf gewachsen sind, und nicht die sogenannte „topfgedrückte“ oder „getopfte“ Variante, die man häufig in Baumärkten findet und bei der ein Großteil der Wurzeln abgetrennt worden ist“, erklärt sie.

Das Unperfekte ist für Poredos perfekt

„Ein lebender Christbaum ist kein perfekt zurecht gezüchteter Baum, sondern eine natürlich gewachsene Tanne mit ihren Unregelmäßigkeiten und Fehlern“, sagt sie und hebt noch einen Vorteil hervor: „Im Gegensatz zu einem toten Baum trocknet er auch nicht aus und er sticht auch weniger".

Die Geschäftsführerin startete zunächst mit ein paar Dutzend Kunden. Doch die Nachfrage wurde so schnell größer, dass sie personell aufstocken musste. „Ganz am Anfang haben wir in Wien 300 Bäume vermietet“, sagt sie, „Dieses Jahr bewegen wir uns im vierstelligen Bereich.“ Das Unternehmen liefert mittlerweile auch bis nach München.

Der Kunde wählt einen Tag der Lieferung und in einem Zeitfenster von circa zwei bis drei Stunden wird er zu ihm nach Hause geliefert. Ihr Team bringt den Baum bis ins Zimmer. Peredos bemerkt immer wieder wie erleichtert die Kunden sind, dass sie den Baum nicht selbst organisieren und schleppen müssen – und gleichzeitig etwas für die Nachhaltigkeit tun.

„Der Vorteil ist, dass der Baum nicht produziert wurde, um nach wenigen Tagen wieder verbrannt zu werden“, sagt sie. Die „Greentree“-Bäume wachsen in nachhaltiger, kontrollierter Produktion in Österreich und der EU, darunter Nordmanntannen, Fraser-Tannen und Rotfichten mit einer Höhe von 80 bis 196 Zentimeter, inklusive Topf. Wer will, kann den Baum nach den Feiertagen in den Garten pflanzen. Alle anderen lassen ihn bequem wieder abholen.

Wer es richtig macht, kann den Baum noch lange am Leben erhalten

Der Baum wird entweder nach einem oder zwei Jahren wieder als Christbaum verwendet oder am Ende seiner „Karriere“ zur Aufforstung eingesetzt. Der Preis bleibt dabei der gleiche wie bei der Mietvariante: inklusive Lieferung und Abholung zwischen 65 bis 100 Euro. Ein Teil der Kunden entwickelt eine Art Beziehung zum Baum und behält ihn nach Weihnachten. „Das sind rund 25 bis 30 Prozent“, sagt Poredos, „teilweise setzen sie ihn im Garten ein oder nutzen ihn als Topfpflanze auf dem Balkon“. Wer es richtig macht, kann den Baum noch lange am Leben erhalten: „Im Frühjahr umtopfen, das ist das Geheimnis.“

Das Geschäft läuft: „Greentree“ verfügt oft schon wenige Tage vor Weihnachten über keine Bäume mehr, obwohl das Team jährlich die Menge an verfügbaren Bäumen erhöht. Das Angebot an Bäumen ist jedoch auch für „Greentree“ begrenzt. Und es gibt noch einen weiteren Grund: "Wir können leider nur in kleinen Schritten wachsen, weil wir als kleines Unternehmen nur eine begrenzte Menge ausliefern können". Wer einmal leer ausgeht, kann aber schon für nächstes Jahr vorbestellen oder einen Gutschein kaufen. „Dann kann man den Christbaum fürs nächste Jahr eben neben den Christbaum legen“, sagt Poredos.

Über Greentree:
Die Kräuterpädagogin Daniela Poredos führt das Wiener Unternehmen „Greentree“, das lebendige Weihnachtsbäume vermietet. Die Kunden können die Bäume zurückgeben, damit die Tannen wieder aufgeforstet werden. Alternativ können die Bäume auch gekauft und im eigenen Garten gepflanzt werden. Mehr dazu unter: www.greentree.at