Hamburg: 28.02.2018

Autor: Christian Litz

Gemeinsam päckchen wir es an!

Der Shipping Service Provider „Shipcloud“ aus Hamburg verhilft mehr als 9.000 E-Commerce-Anbietern zu neuer Marktmacht. So können auch Online-Shop-Zwerge wie etwa der Spirituosenversand Tastillery den Markt mit Besonderem bereichern. Die Co-Evolution der Logistik.

Bärte, zuerst sieht man nur Bärte. Dann erst die Gesichter dahinter: Andreas und Waldemar Wegelin sind Gründer aus dem Bilderbuch der Start-up-Szene. Sie tragen coole Hütchen, betonen den Spaß bei der Arbeit, den Spirit. Die Cousins haben, sagen sie, ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Was ein bisschen gefährlich klingt, denn die beiden betreiben seit 2016 Tastillery, einen Online-Versand von hochwertigen Spirituosen. Sie werben für leidenschaftliches Genusstrinken.

Stil statt Suff.

Tastillery verschickt nur edlen, teuren Alkohol: Rum, Gin, Cognac, Bourbon und Single Malt Whisky, auch aus Japan. Dass ihr Internet-Start-up erfolgreich ist, liegt an der gefundenen Marktnische und daran, dass sie mit einem zweiten Start-up zusammenarbeiten: Shipcloud. Der hat tausende Nischenanbieter als Kunde und bündelt die Kleinen, damit die ihren Endkunden, den Bestellern, viel bieten können.

Gründer aus dem Bilderbuch der Start-up-Szene: Andreas und Waldemar Wegelin
Dass ihr Internet-Start-up erfolgreich ist, liegt u. a. an der gelebten Co-Evolution mit Shipcloud.
Nur edler, teurer Alkohol wird verschickt: Rum, Gin, Cognac, Bourbon und Single Malt Whisky, auch aus Japan.

Den „Shipping Service Provider“ haben Claus Fahlbusch und Stefan Hollmann gegründet. Sie hatten da bereits lange Karrieren als Supporter, Shopmanager und Consulting-Leiter bei E-Commerce-Softwareherstellern hinter sich und in den Pioniertagen gelernt, wie der Handel im Netz funktioniert. Sie waren im Gegensatz zu den Wegelins schon alte Hasen, als sie mit Shipcloud 2013 an den Start gingen.

Den Online-Händlern bieten sie eine Schnittstelle für Versanddienstleistungen. Ganz einfach kann ein Online-Shop-Betreiber via Shipcloud Paketdienste nutzen. Nicht nur das automatisierte Ausdrucken von Versandmarken und die Sendungsverfolgung wird ermöglicht, sondern gleichzeitig der Zugang zu attraktiven Versandkonditionen, da Shipcloud die Verträge mit den Paketdienstleistern abschließt, zu viel besseren Konditionen.

Das Prinzip ist also ganz einfach: Viele Kleine sind so stark wie ein Großer.

Die Nischenlieferanten können als große Masse Einzelner mit den Großen konkurrieren. Da Shipcloud der offizielle Vertragspartner der Paketdienste ist, fällt bei den Online-Shops viel weniger Arbeit an, ihre Konkurrenzfähigkeit wird größer. Stefan Hollmann von Shipcloud sagt, wenn er auf die Kunden schaue, sehe er einen Markt der lukrativen Nischen mit Honig, Schokolade, Sex Toys und anderen Spezialitäten. Auch wenn der Endkunde ständig alles schneller und komfortabler will, können die Kleinen mit Hilfe von Shipcloud genau das bieten.

Für den Alkohol-Versender Tastillery hat der zwischengeschaltete Dienstleister ein spezielles Problem gelöst: Tastillery nutzt den Paketversender DHL, weil dieser in ganz Deutschland Alterskontrollen anbietet, auch im kleinsten Dorf irgendwo in den Bergen. Hochprozentige Spirituosen dürfen ja nicht an Jugendliche verkauft werden. Also muss der Paketbote sich einen Ausweis zeigen lassen, kann nicht einfach das Paket beim Nachbarn abliefern und einen Zettel an die Tür hängen. Er muss das Alter kontrollieren, immer. Was vorab bereits Arbeit verursacht. Entsprechend muss das Etikett des Pakets gedruckt werden. Die Informationen müssen aus dem Shopsystem heraus auf die kleine Konsole des Boten gespielt werden.

Große Flaschen werden mittels Vakuum-Umfüllmaschine in schick designte 50-Milliliter-Flaschen gefüllt.
Fünf Flaschen packen die Online-Händler in eine Themen-Kiste mit einem Motto wie: Whisky Weltreise, Fireside Stories oder Smoking Guns.
„Unsere Zielgruppe sind Online-Händler, die nicht den Riesenaufwand einer Versanddienstleister-Integration betreiben können“, sagt Claus Fahlbusch.
Bei Tastillery können sich die sechs Mitarbeiter dank der Co-Evolution mit Shipcloud auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Da gibt es ständig was Neues und logistische Innovationen, die Branche entwickelt sich rasant derzeit.
(Stefan Hollmann)

Tastillery-Kompagnon Andy Wegelin vermutet, dass das Start-up mindestens einen Mitarbeiter mehr bräuchte, wenn nicht sogar zwei, um die Arbeit, die jetzt Shipcloud erledigt, zu machen. Shipclouds Computer-Programme sorgen dafür, dass die nötigen Zusatzinformationen bei Tastillery mit einem Tastendruck bereit stehen.

Tastillery profitiert also von dem Shipping Service Provider und Shipcloud hat einen Online-Händler mehr als Kunden. Was bedeutet: Shipcloud kann von den großen Paketdiensten noch billigere Lieferkonditionen bekommen. Von denen dann wieder Tastillery profitiert. Shipcloud erleichtert den kleineren Händlern noch mehr: Wer als Endkunde bestellt, will nicht immer vom gleichen Paketdienst beliefert werden. Einmal vielleicht von einem, der noch am selben Tag liefert, oder von einem, der das Paket in den Kofferraum des Endkunden-Volvos legt oder es einem Dienstleister am Arbeitsplatz des Bestellers gibt, der die Pakete annimmt aber von der Hauspost fernhält.

Da gibt es ständig was Neues und logistische Innovationen, die Branche entwickelt sich rasant derzeit, sagt Hollmann von Shipcloud. Einige Online-Shops nutzen den Dienstleister, um den Endkunden, also den Besteller auf der Website auswählen zu lassen, von welchem Paketdienst er seine Bestellung geliefert haben will. Andere wollen ihre Versandprozesse optimieren und beim Thema Versand up-to-date sein. Es gibt Paketdienste, die den Kunden im Café beliefern, wenn der seinen Standort oder besser seine GPS-Daten dem Boten mitteilt.

Für Online-Händler, die beim Versand auf die Kundenwünsche reagieren möchten, bedeuten die Neuerungen viel Arbeit und hohe Kosten für die technische Integration der Versanddienstleister. Die Arbeit nimmt ihnen Shipcloud ab. Unsere Zielgruppe sind Online-Händler, die nicht den Riesenaufwand einer Versanddienstleister-Integration betreiben können, sagt Claus Fahlbusch.

Bei Tastillery können sich die sechs Mitarbeiter deshalb auf die gefundene Marktlücke konzentrieren: Die Leute beschäftigen sich immer mehr mit dem, was sie konsumieren. Das ist unsere kleine Nische, sagt Andreas Wegelin. Einfach nur trinken, wäre einfach nur trinken. Wichtig ist das darüber reden, die Nuancen auszukosten und dafür sei das Wissen um die Flüssigkeit und ihre Geschichte wichtig.

Der Erfolg des Start-ups baut auf den von ihm entworfenen Tasting-Sets auf. In einem Reinraum in Hamburg öffnen die Tastillery-Leute große Flaschen und nutzen eine Vakuum-Umfüllmaschine um die Flüssigkeit in schick designte 50-Milliliter-Flaschen zu füllen. Fünf Flaschen packen die Online-Händler in eine Themen-Kiste mit einem Motto wie: Whisky Weltreise, Fireside Stories oder Smoking Guns. Die kann man bestellen und zu Hause eine Verkostung veranstalten. Die Kunden bekommen, das ist den beiden Gründern wichtig, neben dem Alkohol auch die Geschichten, die Informationen, den Hintergrund nach Hause. Gute Destillate haben mehr zu bieten als einen hohen Alkoholgehalt, so Andy Wegelin. Tastillery verkauft also nicht nur Hochprozentiges, sondern auch Know-how.

Und die Story dazu.